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  • Sophie

Antalya - Urlaub für Millionen

Wandern, Tauchen, Tempel und Tiere, das ist ja alles nett. Was die türkische Südküste aber eben auch zu bieten hat ist Massentourismus im absoluten Übermaß.


Waren es in Dalyan nur eine Handvoll britischer Senioren, die das Stadtbild mit ihrer Trinkfreudigkeit um ein paar Pubs bereichert haben, so geht es in Kaş damit los, dass die Küstenstädte eigentlich nur noch eine Kulisse für touristische Infrastruktur sind. Jedes Haus ein Hotel, Restaurant oder Shop, die gesamt Küstenlinie unerreichbar zugebaut. Im Westen sind es hauptsächlich Engländer und Franzosen, die uns begegnen. Ab Kemer sind es dann nur noch Russen. Eine türkische Zeitung titelte 2009 "Olga überholt Helga" – in diesem Jahr kamen zum ersten Mal mehr Russen als Deutsche nach Antalya.


Die Russen kommen


Auf unserer Reise können wir es bestätigen. Zwischen Kemer und Antalya ist alles auf osteuropäische Touristen ausgerichtet. Ewas speziell: jeder dritte Laden versucht hier Leder und Pelze an den Mann und die Frau zu bringen, bei 35 Grad möchte man eigentlich gar nicht daran denken, sich eine Lederjacke anzuziehen und eine Pelzmütze aufzusetzen. Die Beschriftung von Shops, Restaurants und Hotels ist fast überall auch auf Russisch, selbst kleine Familienbetriebe mühen sich mit handgeschriebenen kyrillischen Buchstaben ab. Ob der Krieg in der Ukraine hier nun nutzt oder schadet? Es kommen natürlich kaum noch Ukrainer, oder zumindest nicht für einen Urlaub, Flüchtlinge gibt es in der Türkei wohl einige.


Die gibt es aber auch auf russischer Seite. In Antalya begegnen wir in einem Café einem jungen russischen Paar, sie Künstlerin und er Outdoor-Guide, die Russland vor ein paar Wochen den Rücken gekehrt haben, für wie lange, das wissen sie nicht. „Bis Putin tot ist.“ meint Pawel lakonisch, Alina zuckt mit den Schultern. Immerhin haben sie es geschafft, in Antalya eine Wohnung zu finden. Die beiden erzählen uns, dass aktuell sehr viele Russen in die Türkei kommen, da sie hier kein Visum benötigen. Pawel und Alina haben für sich in Putins Russland keine Zukunft mehr gesehen und nach Beginn des Krieges ging dann auch noch die Sorge um, dass bald alle Grenzen geschlossen würden. Da haben sie ihre Siebensachen gepackt und sind beherzt losgezogen.


Um die Wohnung in Antalya zu finden, mussten sie einen Monat suchen und tägliche Besichtigungen machen, bei denen sie am Ende immer abgelehnt wurden. Dazu war es noch schwer, ein türkisches Konto zu eröffnen, alle Dokumente sind türkisch, auch der Mietvertrag. Manche Vermieter wollten zwei Jahresmieten im Voraus. Bei unserem ersten Treffen fiebern sie ihrem Mietvertrag noch entgegen, beim zweiten Treffen hat es dann geklappt und sie sind sehr erleichtert. Wenn ich jetzt russisch auf der Straße höre, frage ich mich immer, ob das nun Touristen sind oder politische Flüchtlinge.


Wenn man an der Küste von Antalya in östlicher Richtung fährt, dann weiß man aber, wo die Touristen alle herkommen. Hier (am Lara Beach) stehen die größten Hotelanlagen, die ich jemals gesehen habe. Gigantische Bettenburgen mit Themenarchitektur. Ein Hotel sieht aus wie der Kreml, eins wie ein Schiff, eines ist ein asiatischer Palast, mehrere wollen mit 1001er Nacht-Kitsch punkten und eines reiht einfach immer wieder das Chrysler Building in seiner Fassade aneinander. In jedes Hotel passen Tausende, jedes hat einen eigenen Strandabschnitt, wo sich Liege an Liege reiht. Wir kommen aus der Stadt eher zufällig in das Zentrum der Bettenburgen, weil wir hier einen Tag lang Windsurfen ausprobieren wollen.



Das Windsurfen ist lustig und ziemlich anstrengend, weil Lutz und ich bei fast jeder Wende oder Halse – also immer beim Fahrtrichtungswechsel – vom wackeligen Brett ins Wasser fallen. Dann müssen wir wieder auf das Brett hinauf robben und anschließend das nun mit Wasser beschwerte Segel hochziehen, immer schön aus dem Rücken natürlich, weil wir die hilfreichen Erklärungen unseres Windsurf-Lehrers schon wieder vergessen haben. So sind wir nach einigen Stunden im Wasser am Leib etwas versehrt, aber an der Seele gänzlich gebrochen vom unbarmherzigen Anblick der endlosen Reihe an Hotelkomplexen und Strandliegen um uns herum.



Wir sind dann sehr froh, in den Stadtbus zu steigen und wieder Richtung Zentrum zurückzufahren. Denn unabhängig von den Bettenburgen östlich und westlich der Stadt ist Antalya eigentlich ein ganz angenehmer Ort.


Antalya abseits der Bettenburgen


Antalya hat ein gewachsenes Stadtzentrum, eine Altstadt mit hübschen alten Häusern, die um schattige Innenhöfe gebaut sind. Es gibt einen kleinen Stadthafen und große Parks rund um die Altstadt und an der gesamten Küstenlinie entlang. Im Westen der Altstadt liegt ein Stadtstrand, der frei zugänglich ist (tatsächlich eine Seltenheit an der türkischen Riviera), sehr gepflegt mit einer großen Grünfläche dahinter, durch die man auf separaten Spuren mit kleinen Elektrorollern flitzen kann.


Das Hadrianstor (130 v. Chr.) - noch immer ein Tor zur Altstadt von Antalya
Der alte Hidirlik Turm, ehemals Teil der Stadtmauer, davor römische Ausgrabung, dahinter das moderne Antalya

Typische Straße in Antalyas Altstadt
Der öffentlich zugängliche Konyaalti Strand mitten in der Stadt




Richtung Osten wird die Küste felsig, hier zieht sich ein Grünstreifen kilometerweit, man kann spazieren gehen oder den Düden-Wasserfall besuchen, wo der gleichnamige Fluss ca. 40 Meter direkt ins Meer fällt. Die Einheimischen kommen abends, wenn es kühler wird, hierher um zu spazieren und sich zu treffen. Man betrachtet den Sonnenuntergang über der Küste, hört Musik, trinkt Tee und knackt ein paar Sonnenblumenkerne. Am Wochenende werden Familienfeste gefeiert und gepicknickt.



Der Düden Wasserfall

Fürs Workout am Abend: Sportgeräte im Park an der Küste

Auch wir entspannen hier für einige Tage, haben eine kleine Ferienwohnung gemietet, wo wir kochen können, kontaktieren Freunde, arbeiten (Lutz) oder schreiben (ich). Hin und wieder machen wir einen Ausflug, wie eben einmal zum Windsurfen, einmal zum Canyoning und Rafting und einmal zur obligatorischen antiken Stadt in der Nähe (Perge), aber grundsätzlich sind es für unsere Verhältnisse ruhige Tage und wir sammeln unsere Kräfte für die nun kommende Reise ins Landesinnere.


Endlich mal wieder selber kochen
Kultur in Perge
Ein großes Theater
Ein gut erhaltenes Stadion
Zur Stärkung ein kleiner Dürüm zwischendurch
Bei der Hitze ist es trotzdem ziemlich anstrengend
Dann lieber mal abkühlen beim Rafting
Oder nur noch zum Sonnenuntergang aus dem Haus

Und dann noch etwas Sport am Abend. Oder sowas ähnliches.


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