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  • Sophie

Bangkok

Bangkok ist riesig, laut, heiß und anstrengend, bunt und voller Menschen, die sich hektisch durch die Straßen schieben. Bangkok ist auch voller Tempel, Paläste und Museen, alter Häuser und nagelneuer glitzernder Hochhäuser, tiefgekühlter Shopping Malls und wuseliger Straßenmärkte.



Wir er-fahren die Stadt im Skytrain, in der U-Bahn, im Tuk Tuk, als Beifahrer auf einem Motorradtaxi (Achtung, Knie einziehen, es geht mitten zwischen den fahrenden Autos hindurch), im Bus, in Flussfähren und gemütlichen Booten auf den Kanälen der Stadt – und natürlich auch immer wieder zu Fuß auf schmalen Gehsteigen, aus denen Wurzeln oder ganze Bäume wachsen und auf die das Wasser unzähliger Klimaanlagen stetig herabtropft.



Im höchsten Hotel der Stadt


Weil Bangkok eine Stadt der Hochhäuser ist, wollen wir auch in einem wohnen, um immer gepflegt von oben auf die Stadt hinunter blicken zu können. Die Wahl fällt auf das höchste Hotel der Stadt im Baiyoke Sky Tower, 88 Stockwerke voller Zimmer und obendrauf noch mehrere Aussichtsplattformen mit Erlebnisgastronomie oder kitschigen Wattewölkchen und Flügelchen, mit denen man für Fotos posieren kann. Wir können von Herzen nur abraten.



Zwar ist der Blick von ganz oben auf der rotierenden offenen Plattform wirklich toll, der Rest des Hauses ist aber leider arg in die Jahre gekommen und unser Zimmer hat dann nur ein einziges Fenster von der gefühlten Größe einer Briefmarke, das zudem noch von außen von einem Werbebanner verklebt ist. Wie in den Bussen oder Straßenbahnen mit Werbung an den Fenstern kann man auch hier nun nicht mehr richtig hinaussehen und die Landschaft verschwindet hinter einem Schleier aus Klebepünktchen, der es aussehen lässt, also wabere dichter Smog durch die Straßen der Stadt.


Immerhin liegt das Hotel in einer sehr geschäftigen Gegend Bangkoks, man muss nur aus der Türe treten und steht mitten in einem Kleiderbazar, gefolgt von mehreren großen Shopping Malls. Zu Fuß ist hier freilich kaum ein Vorwärtskommen, zwischen den Ständen und durch die Massen, zudem sind noch überall Tuk Tuks und Motorroller unterwegs zwischen den Fußgängern. Unsere ersten Spaziergänge durch die Stadt sind nicht sehr entspannt, aber wir werden mit tollen Blicken auf die vielbefahrenen Straßen und ganz vielen neuen Eindrücken belohnt.








Tempel und Paläste


Wir wollen etwas über die Geschichte und Kultur Thailands lernen und in Bangkok stehen die wichtigsten Tempel des Landes und natürlich auch der Palast des Königs, den man zumindest von außen besichtigen kann. Der König selbst weilt bekanntermaßen ja lieber im bayerischen Voralpenland, in seiner Villa am Starnberger See, wer kann es ihm verdenken. Dennoch muss man sich hier angemessen kleiden, denn die unzüchtige Enthüllung von Schulterblättern oder Knien ist weder der königlichen Familie noch den Mönchen in den Tempeln zuzumuten.


Wer sich an die interessanten bauchfreien Bilder des Königs am Münchner Flughafen erinnert, oder die Bilder, auf denen er in Unterhosen durch Oberbayern radelt, der mag sich da wundern, aber die Thais legen großen Wert auf ihr Idealbild eines Königs, wie er sein sollte. Und so ist an jedem zweiten Gebäude ein riesiges Foto vom König im Krönungsornat angebracht – und in Thailand selbst wäre es ohnehin bei Strafe verboten, seine skandalösen Bilder aus Deutschland öffentlich zu zeigen. Für Majestätsbeleidigung geht man 15 Jahre ins Gefängnis. Da ziehen wir auch bei 35 Grad gerne freiwillig langärmelige Oberteile und lange Hosen an, um uns seinen ungenutzten Palast anzusehen.


Es handelt sich dabei um eine riesige Anlage voller Tempel und Palastbauten aus verschiedenen Jahrhunderten. Man verläuft sich schnell auf dem Areal und unter all den Bauten im Thai-Stil sticht ein Palast heraus, der im Vergleich ausgesprochen europäisch wirkt – bis auf das thailändische Dach. Eine interessante Fusion.



Auf der anderen Seite des Flusses, der die Stadt in der Mitte teilt, liegt der Tempel der Morgenröte (Wat Arun), einer der ältesten Tempel Bangkoks und besonders hübsch mit seinem Überzug aus unendlich vielen Scherben chinesischen Porzellans und Muscheln. Nicht nur die Touristen sind begeistert, auch die jungen Thais kommen gerne hierher um sich in traditionelle Gewänder zu (ver)kleiden und Bilder rund um den zentralen Tempelturm zu knipsen. Die Gewänder kann man danach dann schnell wieder im Kleiderverleih, der zum Tempel gehört, abgeben.



Generell sind alle Tempel auch gut geführte Wirtschaftsunternehmen. Meist betreiben sie unter anderem auch ein Café mit professionellem Branding, wo man allerhand sehr süße gekühlte Getränke genießen kann und nebenbei den Tempelbetrieb unterstützt. Im Palast heißt der Coffee Shop „Golden Place“, im Wat Saket Tempel auf dem künstlich aufgeschütteten Hügel „Golden Mount Coffee“ – Gold ist eindeutig Trumpf und davon gibt es auch eine Menge in den Palästen und Tempeln.



Außer gutem Kaffee hat der Wat Saket im Unterschied zu den anderen Tempeln der Stadt auch noch einen kleinen Flecken gepflanzten Urwalds in der Stadt zu bieten, etwas Ruhe inmitten der vielbefahrenen Straßen und einen schönen Blick von der Plattform rund um seinen Chedi, den großen goldenen Turm in der Mitte des Hügels.



Was ist ein Wat?


Da wir in den kommenden Wochen derer einige besuchen werden, lesen wir uns einmal rasch ein in das Prinzip des Wats, also des thailändischen buddhistischen Tempels.


Jeder Wat besteht aus mehreren Gebäuden. Dazu gehören ein Ubosot – die Gebets- und Ordinationshalle für Mönche, ein Chedi oder Prang – ein goldener oder steinerner Turm in der Mitte der Anlage, oft Behälter für Reliquien, am besten von Buddha selbst, eine überdachte Wandelhalle mit Säulen und gerne auch großflächigen Fresken, sowie ein Wihan – die Versammlungshalle für alle Gläubigen, meist mit großem bis riesigem goldenen Buddha.


Dann gibt es meist noch einen Glockenturm und mehrere offene, aber überdachte Pavillons für die Besucher, Schreine für heilige Texte, manchmal ganze Bibliotheken, Wohngebäude für die Mönche, vielleicht auch eine Schule oder ein Meditationszentrum. Dazu kommen dann natürlich noch die Verkaufsstände von allerhand Opfergaben für den Buddha, üblich wären die Knospen von Lotusblumen, aufwändige Blütenarrangements, Goldfolie für die unzähligen Buddhastatuen und natürlich Räucherstäbchen. Und dann gibt es noch Stände mit Amuletten und die bereits genannten Cafés.


Wats können sich also schnell zu großen Anlagen mit unzähligen Gebäuden auswachsen und überall wuseln Gläubige, Touristen und Mönche umher und gehen ihren sehr unterschiedlichen Interessen nach.


Etwas mehr Geschichte


Mehr Geschichte als Kommerz und ein paar ganz hilfreiche Erklärungen finden wir im Nationalmuseum. Hier befindet sich ein gelungenen Sammelsurium aus archäologischen Funden, tausenden historischen Buddhafiguren und Hindu-Gottheiten aus den vielen Tempeln des Landes sowie Devotionalien aller Art aus den königlichen Palästen, wie Throne, Sänften und Howdahs (Sänften für Elefantenrücken), aber auch viele tolle Beispiele für das Kunsthandwerk Thailands mit ansprechenden Erklärvideos. Wir wissen nun also, wie man eine Schatulle mit Perlmutt und Lack verziert oder wie man mehrfarbiges Porzellan produziert.



Reicht es uns jetzt mit Tempeln und Geschichte?


Aber natürlich nicht! Wir reisen weiter nach Ayutthaya, der ehemaligen Hauptstadt Thailands (von 1350-1767), das damals noch Siam hieß. Heute ist die Altstadt verlassen und verfallen, überall stehen die Ruinen in einem mal wieder von der UNESCO geschützten Areal – also nichts wie hin.


...aber erst mal noch eine ordentliche Mahlzeit.

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