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  • Sophie

Im Hamam

Da wir im Hamam nicht fotografieren konnten, muss sich die werte Leserschaft hier leider mit einigen Beispielbildern, von der Webseite unseres Hamams (Sahin Hamam in Dalyan) begnügen.



Wer möchte nicht von einem untersetzten älteren Herren, der nur mit einem Lendenschurz bekleidet ist, energisch am ganzen Leib mit einem Peeling-Handschuh abgerieben werden? Derjenige hat nichts verloren im türkischen Hamam.


Lutz und ich wollten jedenfalls seit unserem ersten Tag in der Türkei das Baden im Hamam kennenlernen und ergriffen die Gelegenheit rasch nach unserer erneuten Zusammenkunft im kleinen Ort Dalyan.


Ein unauffälliges Badehaus in der Nähe unseres Hotels hatte Abends lange geöffnet, und als wir um 19 Uhr neugierig und etwas aufgeregt eintrafen waren wir die einzigen und letzten Gäste des Abends. Überschwänglich wurden wir empfangen von einem bärenhaft großen und behaarten Herren mit beachtlichem Trommelbauch über dem rotkarierten Lendenschurz, den er außer ein paar Badeschlappen noch trug. Das folgende Gespräch, mit Hand und Fuß geführt, war kurz, man war sich einig: wir würden hier gebadet werden und dabei dem klassischen Ablauf folgen: Aufwärmen, duschen und dann die türkische Massage.


Das Aufwärmen kam uns noch bekannt vor: in Badekleidung saßen wir in einer Sauna, der Raum war allerdings nur auf etwa 45-50°C erhitzt, so dass uns erst nur warm wurde, richtig ins Schwitzen kamen wir erst, als der fröhliche Bär gegen Ende noch rasch einen Aufguss machte. Wir duschten uns ab und konnten nun den eigentlichen Ort des Geschehens betreten. Es handelte sich um einen kleeblattförmigen, von Kuppeln überwölbten Raum mit einem zentralen Marmortisch in der Mitte, der an allen Seiten von Nischen mit Marmorbänken und in der Wand eingelassenen Becken mit schön gearbeiteten Wasserhähnen umgeben war.


Lutz und ich durften uns auf den Marmortisch in der Mitte des Raumes legen und stellten mit Freude fest, dass der Tisch auf eine sehr angenehme Temperatur erhitzt war. Statt dem erwarteten kalten, nassen Marmor lagen wir bäuchlings ausgestreckt auf dieser warmen Fläche, um uns herum tropfte es gelegentlich aus den Wasserhähnen in die Becken, das „plöpp“ hallte wieder von den mit verschiedenfarbigem Marmor verkleideten Wänden und der bemalten Kuppel über uns und wir spürten wie unsere Muskeln sich in dieser angenehm feuchtwarmen Umgebung entspannten und sich eine wohlige Schläfrigkeit in uns ausbreitete.



Laut Putzplan ist Lutz dran


Für Lutz fand diese Schläfrigkeit ein rasches Ende, als unser Masseur den Raum betrat. Das war ein kleiner älterer Herr, äußerst drahtig, kräftige Arme und Hände, ein kleines Bäuchlein über dem obligatorischen Lendenschurz. Er wies Lutz an, sich auf dem Bauch, ganz am Rand des marmornen Tisches auszustrecken und während ich aus den Augenwinkeln entspannt beobachtete, legte er los: Aus einer Schale wurde Lutz wiederholt mit einem Schwall Wasser übergossen, zunächst an den Beinen, dann am Rücken und Oberkörper. Dann griff der Masseur zu einem großen, rauen Handschuh, tauchte ihn kurz in Wasser, und begann nun höchst entschlossen Lutz damit abzureiben -ratsch, ratsch, ratsch, mit routinierten Bewegungen, beginnend bei den Fußsohlen, den Hacken, die Beine hinauf (die Badehose wurde nach oben geschoben, um das gesamte Bein zu bearbeiten), energisch ging es weiter über den Rücken, die Arme, den Hals hinauf bis an den Haaransatz.


Zwischen den kraftvollen Abreibungen wurde der Handschuh immer wieder in Wasser getaucht und laut klatschend am Rand der Marmorplatte abgeschlagen. Lutz durfte sich nun drehen und es ging auf seiner Vorderseite erneut los. Alles wurde gründlichst mehrfach abgerieben, und als der Masseur zufrieden war mit seinem Werk, durfte Lutz sich aufsetzen und der Handschuh wurde nun mit großer Gründlichkeit und energischer Zärtlichkeit über sein Gesicht geführt. Der Masseur legte eine Hand auf Lutzens Kopf, mit der anderen wurden Stirn, Nase und Wangen abgeschrubbt, auch am Hals und hinter den Ohren wurde kein Zentimeter ausgelassen, es sah aus, als würde ein Bildhauer seiner neuesten Büste den finalen Schliff geben.


Als er auch damit zufrieden war, bat er Lutz in eine der Nische neben ein Waschbecken, um ihn dort erneut Schwall für Schwall mit Wasser zu übergießen. Auch der Marmortisch wurde abgegossen, bevor sich Lutz nun erneut dort ablegte und der Seifenschaum zum Einsatz kam. In einer Schale hatte der Masseur eine Seifenlauge vorbereitet, in die er nun ein kleines Handtuch eintauchte, was offensichtlich wie eine leere Kissenhülle geformt war, denn mit Schwung nahm er das Tuch aus der Schale, wobei es sich durch den Luftstrom aufblies. In der gleichen schwungvoll-routinierten Bewegung verschloss er nun das offene Ende dieser seifigen Handtuchhülle und begann, das Tuch zum geschlossenen Ende hin abzustreifen. Und damit geschah etwas faszinierendes: es bildete sich eine üppige Wolke weißer Schaumblasen, die er gekonnt über Lutz ausbreitete, der nun ganz in dieser Schaumhülle verschwand.


Es begann die eigentliche Massage: Lutz wurde von Fuß bis Kopf mit Hingabe durchgeknetet, hin und wieder auch in Form gezogen oder mit den Handkanten etwas weichgeklopft, alles in einer duftenden Wolke von Seifenschaum, die sich über ihm auftürmte. Mehrfach durfte ich den Trick mit dem Schaumtuch noch beobachten bis Lutz wieder ans Waschbecken gebeten wurde. Trotz Mangels an Frisur wurde sein Kopf noch mit Shampoo gereinigt – wenn unser Masseur eines war, dann sicherlich gründlich – und zu guter Letzt noch so lange abgegossen, bis alle Seife abgewaschen war. Da wurde dann auch mal die Badehose gelupft, es sollte nichts übrig bleiben. So war also Lutz porentief rein, vielleicht war er noch nie zuvor so sauber gewesen, dachte ich. Und dann war ich an der Reihe.


Abreibung am eigenen Leib


Erst zuzusehen und dann selbst zu erleben war eine perfekte Reihenfolge. Ich wusste nun schon, wie ich zu liegen, wann ich mich zu drehen und aufzusetzen hatte. Wie rau der Handschuh tatsächlich war, überraschte mich allerdings doch. Bei den Fußsohlen musste ich mich sehr zusammenreißen, denn da bin ich fürchterlich kitzlig. Aber Beine und Rücken abgerubbelt zu bekommen war wirklich ausgesprochen angenehm, wie dieses wohlige Gefühl, wenn es einen juckt und man dann gar nicht mehr aufhören möchte zu kratzen. Mit geschickter Hand löste der Masseur immer diskret die Bänder meines Bikini-Oberteils am Rücken, damit er vehement über die ganze Fläche gehen konnte. Wenn er die Bändchen dann wieder sorgfältig band, wusste ich, dass es gleich Zeit war sich zu drehen.


Auf der Vorderseite ging der Masseur so beherzt zu Werke wie am Rücken, doch die zartere Haut am Bauch und vor allem am Dekolletee war doch etwas erschrocken über diese Abreibung. Meine Brust blieb unter dem Bikini keusch verschont, aber Lutz berichtete verständlicherweise noch ein, zwei Tage danach von gereizten Brustwarzen.

Nachdem nun jede Pore geöffnet und jede alte Hautschuppe erfolgreich entfernt war, driftete ich bei der duftenden Seifenschaummassage nur noch in wohlig-warme Sphären der Entspannung und völligen Hingabe ab. Mit einer Körperspannung wie Pudding empfing ich die finalen Kneipp-artigen Wassergüsse und das Werk des Masseurs an uns war vollbracht. Windelweich verließen Lutz und ich den marmorverkleideten Baderaum und wurden von dem behaarten Bären mit dem Trommelbauch freudig empfangen.


Ruhen und Tee trinken


Wir bekamen nun selber einen karierten Lendenschurz umgebunden, ein großes Handtuch wurde wie ein Umhang um uns gewickelt, auf dem Kopf band der kräftige Bärenmann uns mit geübten Griffen einen Handtuch-Turban fest. Da standen wir nun da, eingehüllt in warme, trockene Tücher, mit rotglänzender, seidenweicher Haut und einem entspannten Dauergrinsen im Gesicht vor lauter Wohlbefinden. Der behaarte Bär lachte zufrieden und schloss uns beide in seine Arme.


Mit einem heißen Gläschen undefinierbaren, sehr leckeren Tees saßen wir noch ein Weilchen im Ruheraum und tauschten uns ganz selig darüber aus, welche Wohltaten man in den vergangenen zwei Stunden an uns gewirkt hatte und wie weich sich unsere Haut doch anfühlte.


Es war fast traurig diesen Ort der Herzlichkeit und des entspannten Wohlbefindens am Ende wieder verlassen zu müssen. Nur 400 Lira (umgerechnet etwa 25 Euro) hatte das Ganze für uns beide gekostet. Lutz meinte schon begeistert, wir sollten in ein paar Tagen direkt noch einmal hingehen, bevor wir Dalyan wieder verlassen. Doch grundsätzlich wird empfohlen, nur etwa zwei Mal im Monat ins Hamam zu gehen und auch unsere Haut bekommt jetzt erst mal ein wenig Zeit, um sich zu regenerieren. Doch der letzte Besuch im Hamam soll das nicht für uns gewesen sein!

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