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  • Sophie

Im Süden Thailands

Phuket Town


Es wird wieder ein angenehmer Flug, dieses Mal landen wir nach etwa sechs Stunden auf der Insel Phuket, in Thailand. Nach der Trockenheit auf Zypern und Wüste in Israel und Dubai schlägt uns hier tropisch-feuchte Luft entgegen und die dazu passende Vegetation wuchert überall fantastisch vor sich hin.




Ein Geisterhäuschen. Baut man irgendwo ein Haus, ziehen die Naturgeister vom Bauplatz in das bereitgestellte Geisterhaus um, wo sie regelmäßig mit kleinen Opfergaben versorgt werden.

Mit einem öffentlichen Bus geht es ratz fatz vom Flughafen in die Altstadt von Phuket Town. Früher stiegen die Touristen beinahe ausnahmslos in den Strandresorts der Insel ab, aber nach dem verheerenden Tusnami von 2004 brach die Begeisterung Unterkünfte am Meer kurzzeitig ein. Genügend Zeit für Phuket Town, um aus seinem Dornröschenschlaf in genereller Verwahrlosung zu erwachen, die vielen hübschen Häuschen aus der Zeit der Jahrhundertwende zu renovieren und in Bonbonfarben zu streichen. Der hiesige Stil: sino-europäisch, bzw. sino-portugiesisch, also eine Fusion aus chinesischen Elementen, den europäischen Einflüssen der Kolonialzeit und sicher auch einer guten Portion Thai.








Wir besuchen eines der ältesten Häuser Phukets aus dieser Zeit, erbaut von einem chinesischen Einwanderer, der sich hier seinen traditionellen Zopf abschnitt (heute noch erhalten) und dann eine Zinn-Mine betrieb (die Stadt lebte seit dem 17. Jahrhundert bis in die 1980er Jahre hinein vom Zinn-Abbau, bis die breite Einführung von billigen Plastik und der Schwenk zum Tourismus den Abbau beendeten).



Er gründete eine Familie und seine Nachkommen leben heute noch im oberen Stockwerk des Hauses, das sie für Besucher öffnen und sogar persönlich durch das wilde Sammelsurium an Familienerbstücken und traditionellen Möbeln, wertvollen Batik-Stoffen, Goldschmuck, chinesischen Möbeln, Spitzendeckchen und Dekoartikeln aus 100 Jahren führen.



Endlich essen!


Ab dem ersten Tag stürzen wir uns zudem auf die unfassbar leckere, vielfältige und günstige thailändische Küche. Kleine Garküchen und Stände gibt es an jeder Ecke, dazu üblicherweise noch Essensmärkte, die am frühen Abend öffnen und dann einige Stunde lang die unterschiedlichsten Häppchen und Gerichte an vielen einzelnen Ständen verkaufen. Dabei hat sich ein Stand meist auf ein oder zwei Snacks oder Gerichte spezialisiert. An manchen Ständen bilden sich Schlangen – ab und an hat hier auch mal eine Garküche einen Michelin-Stern, ganz genau, einen echten. Nur hier kann man vermutlich für 2-3 Euro Sterneküche genießen.



Sehr schön an den Nachtmärkten finden wir auch, dass sich jeder an unterschiedlichen Ständen die Häppchen seiner Wahl holen kann und anschließend trifft man sich an einem gemeinsamen Tisch zum Essen. So kann jeder probieren, worauf er Lust hat, Lutz isst mild, ich esse scharf, und wenn es mal geschmacklich daneben geht, dann kann man ja immer noch tauschen. Wird es Lutz zu scharf, dann darf er mir seinen Teller herüberschieben, ist es nicht scharf genug, so steht auf jedem Tisch meist noch ein Sortiment an unterschiedlichen Soßen bereit, von denen in mindestens einer so viele Chilis schwimmen, dass die Oberfläche der Schüssel komplett bedeckt ist.


Und zu allem kulinarischen Überfluss gibt es auch noch richtig guten Kaffee und sündiges Gebäck in Phuket Town, denn die Stadt sieht sich als Ziel für Historienfans und Foodies. Einmal in der Woche schieben sich die Massen hier durch den Night Walking Market, dann ist die Hauptstraße gesperrt und es reiht sich ein Stand mit Essen an den nächsten, dazu noch jede Menge touristischer Krimskrams, es macht Spaß, hier entlang zu schlendern. Oder besser: hier durchgeschoben zu werden, denn es ist richtig voll.



Zur Untermalung des Treibens gibt es dann noch alle 200 Meter eine musikalische Untermalung. Entweder röhrt eine 11jährige Hits von Mariah Carey, oder ein Thai-Elvis im weiß-goldenen Glitzer-Einteiler mit Haartolle singt Schnulzen, während ein paar Meter weiter Salsa gespielt wird und zwei alte Thais professionell das Tanzbein schwingen.


Ein Strandtag


Dass der Tourismus noch nicht wieder auf dem Vor-Corona-Niveau ist, zeigt uns das teilweise Fehlen der öffentlichen Infrastruktur. Wir wollen an den Surfer-Strand mit dem ÖPNV, der Bus fährt aber nur 3 Mal am Tag, jetzt gerade nicht. Dann fahren wir eben nach Patong, zum Ballermann Phukets. Mir schwant Übles, aber das ist die einzige Busverbindung, die bedient wird und wir möchten eben gerne einmal an den Strand (Phuket Town liegt im Inselinneren).


Die Fahrt mit dem offenen Bus ist erfrischend und dauert etwa eine Stunde, dann kommen wir an in dem Moloch, der Patong ist. Hier gibt es keine hübschen Kolonialzeit-Häuschen, stattdessen eine Bar neben der anderen, aus denen laute Musik schallt. Massagestudios, Fast Food Lokale und Souvenirshops runden das Bild ab.


Der öffentliche Bus

Am Strand ist es dann aber überraschend ruhig und sauber, allerdings müssen wir im zwei Minuten-Takt den vielen Strandverkäufern eine freundliche Absage verteilen, den Armen. Es sind doch eher wenige Touristen hier und wir wollen leider trotzdem keine Kokosnuss, Fußmassage oder Wickelröcke mit Elefanten darauf. Was hier sehr beliebt ist, ist so eine Art Paragliding auf dem Meer. Ein Schirm wird an einem Boot befestigt, zwei Touristen baumeln darunter wie reifes Obst und das Boot schleift sie einmal durch die Bucht. Aufregend ist dabei der Job des jungen Thai, der die zwei Fluggäste in den Himmel begleitet, denn er ist nicht an den Seilen befestigt, sondern klettert dort oben frei herum und scheint ein wenig zu helfen beim Navigieren, sowie Ein- und Aussteigen. Wie er da in einigen Metern Höhe auf den dünnen Seilen herumturnt ist schon ein spannender Anblick.





Wir wollen allerdings bald wieder zurück ins hübsche Phuket Town. Eine Stunde lungern wir an der Bushaltestelle herum, bis wir letzten Endes glauben, was die Taxi- und Tuk Tuk-Fahrer uns schon von Anfang an erzählt haben: Heute fährt hier kein Bus mehr. Also müssen wir wohl oder übel mit dem Tuk Tuk zurück, es wird eine teure und holprige Fahrt. Vor allem Lutz muss sich in dem niedrigen Gefährt zusammenfalten, um nicht bei jedem Hügel auf der Fahrbahn mit dem Kopf gegen das Dach zu stoßen.



Sieht aus wie das Paradies: Ko Yao Noi


Nach ein paar Tagen im wuseligen Phuket steht uns der Sinn nach etwas Inseleinsamkeit. Hier in der Andamanensee, zwischen Phuket und Krabi gibt es noch so einige kleine Inseln, die teilweise bewohnt und teilweise mit Booten erreichbar sind.


Wir entscheiden uns für das winzige Ko Yao Noi, ein Inselchen ohne größere Attraktionen, das von einigen muslimischen Familien bewohnt wird und gleichermaßen vom Tourismus wie vom Handel mit Kautschuk lebt. Hier zeigt sich die Nähe zu Malaysia, in Südthailand gibt es immer wieder muslimische Enklaven und Ko Yao Noi ist eine davon.


Nach einer kurzen Boots- und noch kürzeren Tuk-Tuk-Fahrt erreichen wir unsere Unterkunft. Von einer sehr herzlichen Familie geführt, stehen hier ein paar Holzhüttchen verstreut am Rand des Regenwaldes mit einem herrlichen Blick auf das Meer. Es gibt keine Klimaanlagen, aber immerhin Ventilatoren. Ansonsten ist zur Lüftung zwischen Wänden und Decke ein Spalt von mehreren Zentimetern, durch den Kleingetier mühelos in Zimmer und Bad kommen kann. Unerfreulich sind die unzähligen Moskitos, die konstant über uns herfallen, aber wir haben vorgesorgt: dank des potenten Thai-Repellent meiden die Mücken eingeschmierte Hautpartien und versuchen uns nur durch unsere Kleidung zu stechen, was leider teilweise auch von Erfolg gekrönt ist. Am Bett haben wir aber ein großes Moskitonetz, so dass wir nachts unsere Ruhe von den Plagegeistern haben.


Unsere Hütte


Der Weg zur Hütte

Blick von der Veranda

Andere Hotelgäste sind wenig erfreut über den Besuch von Fröschen oder Mäusen in ihren Räumlichkeiten, wir können nur mit einer Schabe und ein paar winzigen Geckos dienen, die wir fasziniert beobachten. Oft regnet es heftig, wenn auch meistens kurz. Ist man nicht unter einem Dach, dann bleibt nichts am Leib trocken. Ich liege allerdings momentan meist in der Hängematte auf dem überdachten Balkon und rühre mich nicht vom Fleck, denn es hat mich erwischt: Ich habe mir Corona eingefangen. In Israel? In Dubai? Im Flugzeug? Wer weiß das schon. Jedenfalls ist das hier der perfekte Ort, um sich zu isolieren: Auf einer winzigen Insel mit wenigen Menschen in einer kleinen Hütte im Urwald. Hier kann ich niemandem gefährlich werden.





Nach ein paar Tagen geht es mir schon wieder gut genug, um zusammen mit Lutz auf dem Motorroller die Insel zu erkunden, auf den paar Straßen, die es hier gibt. Anderntags geht es dann die Küstenlinie im Kayak entlang. Wir sehen ein paar Makaken, Nashornvögel und jede Menge Hörnchen, die die reifen Früchte von den Bäumen pflücken, um uns dann mit den leeren Hüllen von oben zu überraschen. Es ist wunderbar friedlich und auf die Dauer ein bisschen langweilig. Also steigen wir nach meiner Genesung wieder in ein Boot und fahren weiter nach Krabi, einer östlich gelegenen kleinen Hafenstadt.



Krabi



Krabi Town hat nichts vom Charme der Altstadt von Phuket, aber wir fühlen uns dennoch sehr wohl. Wir wohnen in einem kleinen Hotel, das von einer jungen Familie geführt wird, fußläufig befindet sich der Nachtmarkt für die Locals, wo man fantastisch essen und leckerste frische Fruchtshakes trinken kann. Lutz wird ein Fan von Mango mit Joghurt – völlig zurecht. Die cremige reife Mango in Kombination mit dem säuerlichen Joghurt schmeckt ganz wunderbar. Ansonsten kann man aus einer irrsinnig langen Liste von stir fries und Curry-Gerichten wählen, die dann vor unseren Augen von einem eingespielten Küchenteam vorbereitet und im Wok über der Gasflamme gebrutzelt werden.



Entlang der Küste erstrecken sich Mangrovenwälder, die man mit einem hölzernen Longtail-Boot samt ambitioniertem Fahrer durchstreifen kann. Wir lassen uns zwei Stunden kreuz und quer herumfahren – das ist die Hauptattraktion Krabis. Die Mangroven sind unwirkliche Labyrinthe wuchernder Luftwurzeln, hier gibt es keinen festen Boden, nur Schlamm, in dem sich tatsächlich die Krabben tummeln. Der Wasserstand ist gerade niedrig, aber unser Fahrer macht sich einen Spaß daraus, mit uns durch die engsten Kanäle zu navigieren. Selbst wenn uns dort dann auch noch Boote entgegen kommen, funktioniert es irgendwie, auch wenn die Wurzeln am Boot entlang knirschen.



Auf unserer Route liegt zudem noch eine beeindruckende Kalksteinhöhle in einem ausdrucksstark geformten Fels, der mit dem Kollegen auf der anderen Seite so etwas wie das landschaftliche Tor zu Krabi bildet.




In der Höhle haben Menschen schon in der Steinzeit gelebt. Heute tun dies noch einige Fledermäuse, die einen an dunklen Stellen in der Höhle überraschen. Ansonsten hat hier ein Künstler ein gefälschtes Riesenskelett aus Plastik abgelegt, das vom Skelett ein Plastik-Riesenschlange umwunden wird. Ich will nicht wissen, wie viele Höhlenbesucher dieses Exponat für ein Original halten. Bei unserem Besuch dürfen wir lange alleine durch die große Höhle streifen, in Krabi gibt es momentan fast keine Touristen.



Es ist ausgesprochen ruhig und etwas provinziell. Am Abend streben die Einwohner Krabis zu einer Outdoor Sportanlage mit Jogging-Parkour, ein paar Fitnessgeräten, mehreren Sportplätzen für Tennis, Basketball und Futsal, manche gehen hier aber auch nur spazieren um sich zu unterhalten, so wie wir. Bevor wir von so viel gediegener Ruhe noch angesteckt werden, verlassen wir das sympathische Krabi, denn jetzt geht es nach Bangkok. All die Seelenruhe, die wir hier im Süden Thailands getankt haben, werden wir in der Hauptstadt noch brauchen.





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