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  • Sophie

Mit dem Zug gen Norden



Im local train


In Bangkok steigen wir in einen Zug der Holzklasse, mit Ventilatoren an der Decke, die auf der Fahrt munter vor sich hin rotieren. Das Fenster hat man trotzdem geöffnet, und der Fahrtwind pfeift allen Fahrgästen heftig um die Ohren, manchmal jedenfalls, denn oft steht der Zug oder fährt ausgesprochen langsam. Um aus dem Stadtgebiet von Bangkok hinaus zu kommen dauert es mehr als eine Stunde, denn der Zug fährt hier vorsichtig und langsam.


Im Hauptbahnhof von Bangkok. Noch ein schneller Kaffee, dann geht es los.


Entlang der Gleise siedeln Menschen dicht an dicht, auf Sichthöhe des Zugfensters flattert die Wäsche auf den kleinen Balkonen der Anrainer im Luftzug der Bahn. Außerdem häuft sich der Müll, was nicht verwundert. So wirft der Herr, der uns gegenüber sitzt, Plastiktüten und -besteck nach seiner Morgenmahlzeit einfach aus dem Fenster.


Der Zug kostet unglaubliche 30 Baht (nur 85 Cent – für uns beide!), ist für den Preis aber erstaunlich gut in Schuss, die Fahrt ist angenehm und kurzweilig – im wahrsten Sinne des Wortes, denn nach etwa 3 Stunden sind wir in der ehemaligen alten Hauptstadt Thailands, in Ayutthaya.


Ein erster Eindruck von Ayutthaya: Die Türme der alten Tempel hinter der modernen Hauptstraße.

Ayutthaya


Der Kern der alten Stadt ist eine Insel im Chao Phraya Fluss, der später auch durch Bangkok fließt auf seinem Weg zum Meer. Auf dieser Altstadtinsel standen früher die Paläste und Tempel des gleichnamigen Königreichs Ayutthaya, das grob den südlichen Teil des heutigen Thailand abdeckte. Das Königreich bestand von 1351 bis 1767, es war ausgesprochen wohlhabend und stand nicht nur in Kontakt mit den asiatischen Nachbarländern sondern unterhielt auch diplomatische Kontakte nach Europa. Gleichsam kamen Europäer nach Ayutthaya und bauten hier Vertretungen auf, daher kann man heute nicht nur die Ruinen der alten Tempel auf der Insel bewundern, sondern zwischendrin auch mal eine alte portugiesische Kirche.


Unglücklicherweise gab es Unstimmigkeiten mit den burmesischen Nachbarn, die daher wiederholt in Ayutthaya einfielen und die Stadt 1767 unwiederbringlich zerstörten. Das Königreich Siam fand seine neue Hauptstadt einige Kilometer weiter südlich in Bangkok und Ayutthaya bröckelte und faulte eine ganze Weile vor sich hin. Aufgebaut wurden die Tempel und Paläste nicht mehr, aber man erkannte den historischen Wert der Anlage und spätestens mit dem UNESCO Welterbe-Status war dann klar, dass der gute Tourist sich Ayutthaya anzusehen hat auf seinem Weg in den Norden Thailands.


Wir verbrachten drei entspannte Tage in Ayutthaya und tourten durch die unzähligen Tempelruinen der Stadt – und sogar durch einen unzerstörten aktiven Tempel mit massivem goldenem Buddha (der erstaunlicherweise der älteste aller Tempel ist, erbaut 1324 – die zerstörten Tempel wirken nur alle viel älter dank der dramatisch verwitterten Steine und von der Vegetation umwucherten Buddhafiguren).



Stimmungsvoll sind die alten Ruinen vor allem im Sonnenuntergang und es ist eine besondere Freude, wenn die Thais in traditioneller Kleidung durch die Anlagen schlendern. Klar, sie tragen ihre feinen Seidenkleider auch nur, um fürs Familienalbum zu posieren, aber für uns ist es natürlich eine Bereicherung. Wir sind so begeistert, wie es vermutlich die asiatischen Touristen in München sind, wenn sie ihre ersten Dirndl und Lederhosen in Aktion sehen.



In einem der Tempel (Wat Mahathat) ist der Kopf einer Buddhastatue eingewachsen in einer Würgefeige und wird langsam von den langen Luftwurzeln umschlossen. Da der Kopf knapp über dem Bodenniveau in der Feige steckt, sitzt daneben ein Wächter, der aufpasst, dass man auf Fotos immer unter dem Buddha posiert. Man kann sich also vor den Kopf hocken oder kauern, darf aber keinesfalls auf dem Foto stehend neben dem Kopf abgebildet werden. Das wäre dem Buddha gegenüber grob unhöflich, schließlich ist er das höchste Wesen, und so bläst der Wächter in seine Pfeife, wenn mal wieder jemand ein Buddha-Selfie im Stehen machen möchte.



Arme Elefanten


Zum ersten Mal begegnen uns in Ayutthaya auch berufstätige Elefanten. Wir kurven gerade mit unseren geliehenen Fahrrädern zwischen den Ruinen herum, da biegt plötzlich eine Gruppe Elefanten um die Ecke, die auf ihren Rücken Touristen durch die Gegend schleppen.




Im weiteren Verlauf unserer Reise werden wir mehr über diese Praxis lernen, wie sich dabei die Knochen der Elefanten verformen, wie ihre Rücken brechen können, wie ihre Füße auf dem heißen Asphalt verbrennen, wie sie Sonnenstich und Sonnenbrand riskieren, da sie ihre empfindliche Haut nicht mit Schlamm schützen können und sich nicht mit Bädern abkühlen dürfen.


Jetzt stehen wir aber erst einmal staunend vor den großen Tieren. An einem Unterstand kann man Körbe mit Futter kaufen und es den Elefanten dann aus der Hand in den Rüssel reichen. Der Elefantenführer oder Mahut sitzt dabei auf dem Rücken des Tieres oder direkt daneben und greift ein, falls der Elefant zu direkt wird. Es ist eine Mischung aus Ablehnung gegenüber der Behandlung der Tiere, die um ihre Hälse und Fußgelenke Ketten tragen und mit einem metallenen Stock mit Widerhaken kontrolliert werden, und der Faszination, ihnen so nahe zu kommen, die uns hierher zieht. Wir reichen den Tieren ein Körbchen voll Gurken über die Absperrung hinüber und sehen in ihre winzigen Augen mit den langen Wimpern.



Hier nehmen wir uns auch vor, mehr über die Elefanten in Thailand zu erfahren. Auf der nächsten Station unserer Reise werden wir diesen Plan dann in die Tat umsetzen und die Arbeitselefanten im Ruhestand besuchen.


(Apropos Gurken: für mich gibt es in Ayutthaya eine schöne Hühnersuppe, die zur Hälfte aus Hühnerfüßen besteht. Ich bringe es nicht über mich, die grobporige, glibberige Haut von den Knöchelchen und Krallen zu knabbern und hätte auch lieber einen Korb frische Gurken gehabt. Aber man kann es sich eben nicht immer aussuchen.)




Nachtzug in den Norden


Von Ayutthaya geht es weiter nach Chiang Mai, weit im Norden Thailands. Es wird die zweite Fahrt mit einem Nachtzug seit dem Beginn unserer Reise, als wir von München nach Venedig fuhren. Damals hatten wir eine Viererkabine zu zweit und genossen den Komfort, so unter uns sein zu können.


Die thailändischen Nachtzüge sind, zumindest in der zweiten Klasse, in der wir reisen, etwas anders aufgebaut. Entlang des Ganges liegen die Betten an der rechten und linken Seite, jeweils zwei Betten übereinandern. Vom Gang sind sie mit Vorhängen abgetrennt. Man hat daher zwar keine Türe, die einen vom Rest der Fahrgäste separiert, aber die Vorhänge schaffen eine große Gemütlichkeit in der kleinen Schlafkoje, in der man eine angenehme, wenn auch dünne Matratze und frische weiße Bettwäsche hat.



Lutz und ich sind ja ohnehin gut vorbereitet: Ohrenstöpsel rein, Schlafmaske auf und schon sind wir ganz für uns in unseren ratternden Schlafhöhlen. Ziemlich entspannt lassen wir uns bis zum nächsten Morgen durch die Landschaft schaukeln. Gegen acht Uhr werden die meisten Fahrgäste wach, das Wuseln und Tuscheln geht los, der Schaffner läuft durch die Gänge und baut die Betten der Aufgewachten wieder um in gemütliche breite Sitzbänke. Einen zweifelhaften Kaffee und drei Stunden später erreichen wir dann relativ ausgeschlafen und guter Dinge Chiang Mai.



Chiang Mai


Ähnlich wie Ayutthaya war auch Chiang Mai einmal die Hauptstadt eines Königreiches, nämlich die des Königreichs Lanna, das vom 13. bis ins 18. Jahrhundert bestand und sich danach mit dem südlichen Königreich zu einem siamesischen Staat vereinte. Heute ist es die zweitgrößte Stadt Thailands nach Bangkok und hat über eine Million Einwohner – aber davon merkt man im ruhigen Zentrum der Stadt nur sehr wenig.


Die alte Stadtmauer
Landschaft außerhalb Chiang Mais
In der Innenstadt

Auch hier liegt das Stadtzentrum auf einer Insel, umgeben von einer Mauer und einem künstlichen, quadratischen Graben, um den heute in zwei Straßenringen die Tuk Tuks, Autos, Busse und unzähligen Motorräder beständig herumrasen, so gut es eben gerade geht. Aber innerhalb des Innenstadtringes geht es ausgesprochen ruhig zu für thailändische Verhältnisse. Und außerhalb der Stadt gibt es dann fast nur noch Wald und Berge. Es ist ein tiefgrüner, wuchernder Regenwald, überall sind kleine Flüsse und Wasserfälle.


In den Bergen leben angeblich verstreut noch einige Bergvölker mit eigenen Sprachen und eigener Kultur. Bekannt sind beispielsweise die Frauen mit den vielen Metallringen um den Hals, sie gehören zu einer kleinen Subgruppierung des Karen-Volkes, das an der Grenze zwischen Thailand und Myanmar lebt. Wir sehen in und um Chiang Mai hin und wieder einmal Frauen in traditioneller Kleidung, die zu einer dieser unterschiedlichen Gruppen gehören, wollen uns aber nicht ihr „Tribal Village“ ansehen, da wir befürchten, dort in eine Art Menschenzoo mit Fotosafari zu geraten.


Das heißt aber nicht, dass wir das touristische Angebot Chiang Mais verschmähen – ganz im Gegenteil! Fast jeden Tag unternehmen wir hier etwas Neues und haben nach einer knappen Woche

- die Elefanten im Ruhestand besucht

- den Bergtempel erklommen und von dort auf die Stadt hinuntergeschaut

- zwei traditionelle Thai-Massagen genossen

- natürlich die Museen der Stadt besucht

- den Night Walking Market besucht

- thailändisch kochen gelernt

- den sogenannten Sticky Waterfall barfuß erstiegen


Und weil das alles so vielfältig und schön war, werde ich bald etwas ausführlicher davon erzählen.

Hier noch ein hübsches Video von Lutz, der seine erste frittierte Heuschrecke verspeist (danach hat er dann noch eine Made hinterhergeschoben, das habe ich dann schon nicht mehr dokumentiert) – als kleiner Vorgeschmack.



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