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  • Sophie

Weiter nach Süden

Es geht nach Kreta


Um vom Pilion quer durch Griechenland bis nach Kreta zu kommen brauche ich einen Tag und vier verschiedene Verkehrsmittel.


Mit dem Auto bringt mich mein Vater zur Busstation in Volos, danach geht es öffentlich weiter. Mit dem Fernbus fahre ich sehr bequem in vier Stunden nach Athen, dort steige ich um in die gut genutzte Athener Metro, die mich an den Ruinen der Agora im Stadtzentrum vorbei zum Hafen von Piräus bringt. Lutz und zwei Freunde aus Freiburg, Lisa und Bernhard, sind auch schon da, sie haben bereits drei Tage in Athen verbracht, ich stoße nun dazu. Als Quartett geht es weiter mit der Fähre, über Nacht. Abfahrt ist um 21 Uhr und um kurz nach 6 Uhr morgens erreichen wir Chania. Der Stadtbus bringt uns zu guter Letzt in die Innenstadt, zum Glück dürfen wir auch schon früh morgens in unsere Ferienwohnung wo sich alle noch einmal hinlegen nach der kurzen Nacht auf der Fähre.


Ein letzter Blick auf Piräus und ein erster Blick auf Chania.

Am Anfang der Reise stand der Nachtzug, jetzt kam also die Nachtfähre an die Reihe. Ebenfalls ein wunderbares Verkehrsmittel. Genau wie im Zug gilt in der Fähre: Wer liegen kann, kann auch schlafen. Daher gönnen wir uns den Luxus einer Innenkabine mit vier Betten. Diese versprüht den Charme einer Jugendherberge anno 1960, erfreut uns aber zusätzlich durch ein eigenes Bad, sogar mit Dusche. Vor der Abfahrt spazieren wir über die Fähre und sehen, dass die meisten anderen Passagiere ihre Nachtlager entweder in den Gängen auf dem Boden oder in den diversen Sesseln der Bars an Deck aufschlagen. Der Nachteil: das Licht brennt die ganze Nacht, man muss versuchen im Sitzen zu schlafen und trotzdem das Gepäck im Auge zu behalten und zusätzlich wird man mit Musik beschallt, während auf diversen Bildschirmen griechische Telenovelas gezeigt werden. Der Aufpreis fürs Liegen in friedlicher Kabine: gerade mal 20 Euro. Ich finde das lohnt sich.


Segnungen der Moderne - ein kleiner Exkurs


Ein Hoch auf die Reiseplanung am Handy! Alle Informationen zu den Verbindungen, Routen und Preisen gab es online, die Fähr- und Fernbustickets konnten wir vom Sofa aus kaufen, Metro und Buslinien verrät uns der Google und alles läuft wie am Schnürchen. Für uns ist es mittlerweile selbstverständlich, dass wir das Ticket am Handybildschirm abrufen, auf Maps die nächste U-Bahn oder Busverbindung sehen oder uns in Piräus finden, indem wir unsere Standorte teilen. Solange die Handys funktionieren ist die Reiseplanung keine Herausforderung.


Um bei dieser Gelegenheit mal einen Oma-Text loszuwerden: Ich erinnere mich an eine Reise direkt nach dem Abi. Es ging nach Barcelona und ich hatte einen Stadtplan im Taschenbuchformat dabei, zum durchblättern. Dazu dann noch einen Reiseführer und ein kleines Wörterbüchlein, spanisch-deutsch (nicht, dass es viel geholfen hätte, katalonisch wäre gefragt gewesen). Also sicher mindestens ein Kilogramm papierne Reiseunterstützung. Müssten wir diese Menge an Büchern hier für jedes Reiseland mittragen, hätten wir vermutlich bereits wahlweise eine Schubkarre oder ein Maultier erworben. Früher war für den Reisenden also ganz sicher nicht alles besser und ich kann meinen Rucksack glücklicherweise noch selber tragen.


Mein Vater wollte wissen, wie wir unsere Unterkünfte finden und buchen und ich zeigte ihm Booking.com, das wir gerne nutzen, weil wir dort den besten Überblick bekommen, und im Vergleich zu anderen Anbietern (hrs, hostelworld, Airbnb etc.) auch die besten Preise. Mein Vater wiederum erkannte direkt eine weitere relevante Anwendung der App: Er klickte sich durch sämtliche Übernachtungsangebote in der seiner griechischen Nachbarschaft und analysierte fachmännisch die Qualität des Blicks, der Ausstattung und Inneneinrichtung mit dem Fazit: Bei uns ist es doch am Schönsten. Selbstverständlich hat er recht.


Chania


Wir sind also auf Kreta angekommen, der südlichsten und größten griechischen Insel und bleiben zunächst zwei Tage in Chania. Die Stadt ist zwar nicht groß, aber in Sachen Tourismus ist man hier gut ausgestattet. Hotels und Ferienwohnungen in jedem zweiten Haus der Altstadt, Restaurants entlang der gesamten Promenade und zum ersten Mal gibt es außer uns noch andere Touristen. Die Saison startet also tatsächlich, zwar zunächst einmal eher behutsam, doch obgleich Corona allenthalben höchste Wellen schlägt und der russische Angriff auf die Ukraine Zeitungen und Köpfe füllt, scheint die Reiselust wieder um sich zu greifen. Die vielen Restaurant- und Ladenbesitzer atmen auf und überall wird renoviert, frisch gestrichen oder zumindest mal drübergewischt und dann kann es endlich wieder losgehen.


Abgesehen von den diversen touristischen Angeboten ist Chania eine charmante Mischung aus pastelligen Häusern aus venezianischer Zeit, Minaretten und Moscheen aus türkischer, militärischer Bollwerke, Ruinen und Baubrachen, in denen man sich aktuell zu antiken Fundamenten hindurchgräbt, gut gefütterten Straßenkatzen und Bötchen, die getrocknete aufgeblasene Kugelfische verkaufen.



Endlich kann sich Lutz seine Füße von ausgehungerten Fischchen beknabbern lassen. Seit wir die Dienstleistungen von „Dr. Fish“ erstmals in Athen gesehen hatten war er von diesem Wunsch getrieben. Lisa tat es ihm gleich und beide erschienen recht angetan von der Behandlung.



Behutsam steigt das Thermometer über die 20 Grad-Marke, äußerst schmerzfrei stürzen sich Lutz und Lisa ins eiskalte Meer. Außer ihnen wagen sich fast nur griechische Omis mit rosa Badekappen. Aber die zählen nicht, die gehen immer und kennen offensichtlich keinen Schmerz. In der Ferne stellen die weißen Berge (ja, die heißen so, die Lefka Ori) klar, dass es hier auch vor zwei Wochen noch ordentlich geschneit hat. Momentan weht allerdings ein anderer Wind und trägt Saharasand über die Insel. Die Sonne verschwindet hinter einem feinen Staub und alle Farben werden gedämpft.



Die weißen Berge rechts liegenlassend durchqueren wir die Insel Richtung Südküste. Der europäische Fernwanderweg E4 verläuft quer durch Kreta, beginnend im äußersten Südwesten, und freut sich schon darauf, von uns ein wenig bewandert zu werden.

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